CHRONIK

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   Theaterspielen hat in Heiligenkreuz am Waasen lange Tradition. Immer wieder fanden sich ein Regisseur und begeisterte Spieler, um vor allem Bauernstücke aufzuführen, so auch vor vielen Jahren, als man den Grazer Professor Walter Zitzenbacher als Spielleiter gewinnen konnte. Mit ihm spielte man erfolgreich für längere Zeit, allerdings meist Anzengruber Stücke.

 

   Irgendwann war es dem Ehepaar Gerlinde und Wolfgang Schnedl doch zu eintönig, und man beschloss, eine Auszeit zu nehmen. In dieser einseitigen Schaffenspause hatte der damalige Kaplan Josef Reisenhofer die goldene Idee, beim Pfarrjugendfest als Mitternachtseinlage Kabarett spielen zu lassen. Allerdings nicht irgendein gekauftes, sondern ein auf den Ort bezogenes, das weder ordinär, noch beleidigend sein sollte, wie es in jenen Tagen auf Faschingssitzungen üblich war.

 

   Wolfgang Schnedl war seit längerem Mitarbeiter in der Redaktion des Pfarrblattes, die einmal im Jahr auch eine Faschingszeitung gestaltete. Er sprach ihn auf die Idee an, worauf der sofort zustimmte. Er schlug als Mitautor den damals noch jungen VS Lehrer Bernd Lexner vor, der bereits bei der Theatergruppe mit viel Erfolg spielte. Etliche Sketche kamen in kurzer Zeit zustande, was bedeutete, dass so etwas schon lange nötig gewesen war. Man suchte sich die passenden Schauspieler und eine kurze, aber launige Probenzeit schloss sich an. Grundprinzip war dabei, dass jeder Autor die Sketche des anderen inszenierte. Als Schauspieler standen damals auf der Bühne: Bernd Lexner, Wolfgang Schnedl, Fritz Fruhmann, Franz Herka, Rudolf Frühwirt und Manfred Promitzer.

 

   Die Mitternachtseinlage war ein voller Erfolg und gab damit den Anstoß, in Heiligenkreuz am Waasen weiterhin Kabarett aus eigener Feder zu spielen. Zur damaligen Zeit gab es noch vergleichsweise wenige Kabaretts und Comedians. Die Organisation eines Kabaretts stellte ein gewisses Risiko dar, da man bei Null anfangen musste und keine finanzielle Absicherung gegeben war. Glücklicherweise machten wir eine kleine Erbschaft, die als Sicherheit diente. Die Suche nach Mitspielern erwies sich als relativ einfach, da damals in unzähligen Cafehausrunden geblödelt wurde. Dass diese Blödeleien oft sehr tiefgründig waren, zeigte sich beim Verfassen der Sketche, welche anfangs von Wolfgang Schnedl allein geschrieben wurden.

 

   Ein Name musste her. Er sollte kurz und prägnant sein. Da bot sich als Wortspiel Heiligenkreuz am Waasen an. - Kurz?- Prägnant? - Ja – doch!!!

Wasen – im allgemeinen ein Feuchtgebiet (Wikipädia)

Waserl – ängstlicher, furchtsamer Mensch (Österr. Wörterbuch)

Nun denn: Die Waaserln

 

   Anlässlich der ersten Probe stellte sich heraus, dass zu wenig SchauspielerInnen vorhanden waren. Kurzerhand wurde Tochter Eva Schnedl zwangsverpflichet, da Tochter Andrea Schnedl schon Technik und Souffleuse machte. Aber man ist ja flexibel! Als Aufführungsort wählten wir den großen Saal im GH Ewald Felgitscher, in dem wir heute noch spielen.

 

   Das 1. Programm 1991 hieß zweideutig „Auf´s Maul g`schaut“ und befasste sich klarerweise mit den Geschehnissen der näheren Umgebung, von Gemeinderatssitzungen bis zum fehlenden Fremdenverkehr, aber auch schon mit zwischenmenschlichen Problemen.

 

   Manfred Promitzer, Otto Trummer, Harald Simentschitsch, Wolfgang Schnedl, Gerlinde Schnedl, Eva Schnedl und Andrea Schnedl waren die Pioniere der ersten Tage, denen sich im Laufe von 25 Jahren viele weitere Aktive anschlossen.

 

   Anfangs gab man sich mit freiwilligen Spenden zufrieden, was sich in den nächsten Jahren ändern sollte. Drei mal war der Saal beim Felgitscher übervoll, was ca 350 Zuseher bedeutete. Der Applaus war nicht enden wollend.

 

   Gut, der erste Auftritt war ein voller Erfolg. Aber werden weitere folgen? Der Ort ist klein, die Probleme sind meist ähnlich. Das Reservoir wäre bald ausgeschöpft, wenn wir die Ortsgrenzen und die Themen nicht gehörig erweiterten. Globalisierung war damals noch kein Modewort, aber wir wussten, wir müssen über unsere Grenzen hinaus, um Zuseher von rundherum bis nach Graz und noch weiter zu gewinnen. Und das Programm soll trotzdem lustig und unterhaltsam bleiben. Kein geringer Anspruch, wenn man das erreichen will. Die Gruppe arbeitete viel – und sie arbeitet auch heute noch gemeinsam daran, immer wieder aktuell und lustig zu sein. Dass wir damit viel Zeit- und Sozialkritik anbringen, ist unser weiterer Anspruch.

 

   Kabarett kann nicht die Welt verändern, aber es kann - auf humorvollem Weg – immer wieder Missstände aufzeigen und vielleicht ein bisschen zum Nachdenken anregen. Wenn wir solches erreichen, war die Arbeit der letzten 25 Jahre, in denen 42 Personen mitwirkten, doch sehr erfolgreich.

 

Und es hat immer wieder Spaß gemacht, sagt Ihnen/euch Wolfgang Schnedl.